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aum etwas bewegt die Menschen seit Jahrtausenden mehr als die Untersterblichkeit. Wissenschaftler beschäftigen sich mit ihr ebenso wie Philosophen, Schriftsteller, Geistliche und auch Mediziner. In großen Romanen wird sie thematisiert und offenbart dabei nicht immer ihre schönsten Seiten. Doch was ist eigentlich Unsterblichkeit? Sind wir unsterblich und wenn ja, was heißt das?

Der Fokus auf die physische Existenz

Westliche Naturwissenschaftler haben mit Begrifflichkeiten wie Geist und Seele ihre Schwierigkeiten. Für sie beruhen Emotionen und Gedanken ausschließlich auf körperlichen Prozessen. Die Seele hingegen steht außen vor. Sie will sich mit den gängigen wissenschaftlichen Methoden nicht so richtig messen lassen. Vor mehr als 100 Jahren tat dies jedoch ein Arzt. Er stellte fest: die Gewichtsdifferenz zwischen lebendigen und toten Patienten beträgt durchschnittlich 21 Gramm. Ist das ein Beweis dafür, dass die Seele materiell ist? Muss sie überhaupt materiell sein, um zu existieren?

Wer sich bei der Unsterblichkeit aufs Physische konzentriert, erreicht schnell eine oberflächliche Definition davon. Und so forschen Wissenschaftler rund um den Globus daran, das Sterben zu verhindern. Unsterblich wird somit wortwörtlich genommen. Schönheitschirurgen erproben sich bereits daran. Sie machen ihre Patienten zwar nicht unsterblich, aber verzögern optisch den Prozess des Alterns und damit des Sterbens. Der Seele bringt dies nichts.

Unsterblichkeit: Trennung von Leib und Seele

Ein anderer und sehr alter Ansatz ist, die Seele vom Leib zu trennen. So lässt sich die Unsterblichkeit auch besser begreifen. Schon 400 Jahre vor Christus gab Platon einen erhellenden Gedankenanstoß. Er ging auf den Dualismus von Leib und Seele ein:

  • Leib und Seele sind eine Zeitlang zusammen.
  • Der Tod eines Menschen trennt beide voneinander.
  • Die Seele existiert weiter und existierte bereits, als sie sich im Körper einfand.

Auch die fernöstlichen Philosophen gehen diesem  Ansatz nach. Der Mensch ist nach ihnen ein geistiges Wesen. Er bewohnt einen Körper. Nach dem Tod dieses Körpers wohnt der Geist in einem anderen Körper weiter und damit in einer neuen Identität. Für das klassische westliche Weltbild mag dies befremdend klingen, aber wer darüber mehr nachdenkt, der ist doch damit vertraut. Zeitungen und Fernsehreportagen berichten immer wieder über Menschen mit Nahtoderlebnissen oder Personen, die sich an vergangene Leben erinnern. Ist ein Leben nach dem Tod oder eine Reinkarnation so unwahrscheinlich? Menschen aller Kulturkreise setzen sich mit diesem ewigen Rätsel auseinander.

Ein kurzer Streifzug durch die Kulturen 

Bände ließen sich mit dem Thema Unsterblichkeit füllen, denn es gibt dazu zahlreiche Ansätze. In aller Kürze schauen wir uns hier ein paar unterschiedliche Vorschläge zum Thema Wiedergeburt, Seele und Leben nach dem Tod an.

  • Für die Hindus ist der Tod ein Erwachen aus der Welt der Täuschung.
  • Für die Buddhisten wird Leben mit leiden gleichgesetzt werden. Ziel ist es, den Kreislauf aus Wiedergeburt und Tod zu verlassen.
  • Im Christentum haben wir den Himmel - als theologische und metaphysische Vorstellung.
  • Im Koran besitzt das Paradies Gärten, Flüsse und wuchernde Bäumen.
  • In der aztekischen Kultur gibt es drei verschiedene Paradiese. Sie alle versprechen ein schöneres Dasein als vor dem Tod.

So verschieden die konkreten Ansätze auch sind, sie haben eine große Gemeinsamkeit: Der Tod ist nicht das Ende der Existenz. Der Geist bzw. die Seele lebt über den Tod hinaus weiter.

Nahtoderlebnisse zeugen vom Leben nach dem Tod

Wissenschaftler beschäftigen sich intensiv mit Nahtoderlebnisse, da sie ermöglichen, einen Ausblick auf den Tod zu erhalten. Als Zeugen dienen Menschen, die von Ärzten reanimiert wurden und dem Sterben damit ganz nahe waren. Viele von ihnen berichten, sie hätten gespürt, wie ihre Seele den Körper und damit das Physische verlassen hat. Ihr Geist sei nach oben gestiegen. Zudem hätten sie ein weiß-blaues Licht erblickt und eine liebevolle, göttliche Wärme gespürt. Da die Seele die körperliche Hülle verlassen hat, konnten die Betroffenen, die Ärzte und alle Beteiligten an der Reanimation sehen. Nach der erfolgreichen Wiederbelebung trat die Seele wieder in den Körper ein.

Rückführungshypnose und Reinkarnation

Ein weiteres Argument für ein Leben nach dem Tod stellen Rückführungen dar, die ein Beweis des Prinzips der Reinkarnation sind. Wer hier Humbug von authentischen Erfahrungsberichten seriöser Hypnotiseure trennt, betritt mit den Erzählungen ein spannendes Reich. Während der Hypnose ließen sich die Hypnotisierten weit in die Vergangenheit zurücksetzen. Sie kamen so in einen Geisteszustand, der sie zurück in die Zeit vor ihrer Geburt brachte. Einige von ihnen berichteten von geschichtlichen Ereignissen so eindrucksvoll und detailliert, dass sich das Geschehene mithilfe von Archiven nachprüfen ließ. Hatten ihre Seelen tatsächlich bereits einen anderen Körper bewohnt? Selbst Quantenphysiker können das nicht mehr verneinen.

Der Dualismus ist allgegenwärtig

Niemand geringer als Albert Einstein wies auf den Dualismus von kleinsten Teilchen hin. Einer der bedeutendsten Quantenphysiker unserer Zeit - Professor Hans-Peter Dürr - ist ebenfalls der Meinung, dass der Dualismus allgegenwärtig ist. Der einstige Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik in München betont, dass sich dieses Dualismusprinzip demnach auf den Körper und die Seele übertragen lässt. Darüber hinaus existiere ein universeller Quantencode. In diesem sei die gesamte lebende und tote Materie eingebunden. Seit dem Urknall soll sich dieser Code über den kompletten Kosmos erstrecken. Die Konsequenz daraus ist: Dürr glaubt an eine Existenz nach dem physischen Tod: „Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassende Wirklichkeit, das viel Größere.“ Danach ist das gegenwärtige Leben vom Jenseits umfangen.

Unsterblichkeit: Trost und Verantwortung

Eine Unsterblichkeit im Sinne des ewigen Lebens in ein und dergleichen Hülle und mit ein und demselben Bewusstsein ist wenig erstrebenswert. Ewigkeitszuständen haftet etwas Unaushaltbares an. Filme wie der Highlander oder Interview mit einem Vampir erzählen davon.

Doch wenn Unsterblichkeit eher aus dem Blickwinkel der Quantenphysik und somit des Dualismus betrachtet wird, erhält sie etwas Reales. Hier verbindet sich die Naturwissenschaft mit der Religion auf erstaunliche Weise. Unsterblichkeit ist so auch etwas Wünschenswertes. Sie spendet Trost, denn wir wissen, dass alles fortbesteht. Geliebte Personen verschwinden nicht in einem Sarg. Ihre Energie bzw. ihre Seele bleibt bestehen. Der Geist mag nicht greifbar sein, aber ist begreifbar. Er ist nun Teil der umfassenden Wirklichkeit und damit unsterblich, denn »niemals geht man so ganz«, wie die Kölner Sängerin Trude Herr textete.

Mit dem Gedanken der geistigen Unsterblichkeit im Hinterkopf lässt sich eine weitere Facette des Lebens nach dem Tod thematisieren: der Verantwortung. Wer weiß, dass seine Seele erhalten bleibt, der geht mit ihr und den Mitmenschen sorgsamer um. Wolfgang Huber als ehemaliger Vorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland sagte so treffend: »Jede Vorstellung von einer letzten Rechenschaftspflicht des Menschen setzt voraus, dass der Mensch im Blick auf das Ganze seines Lebens, und damit über die Grenze des eigenen Todes hinaus, für seine Taten in Anspruch genommen werden kann.« Das mag Furcht erzeugen und sicherlich spielen die unterschiedlichen Religionen über Jahrhunderte damit. Doch wir sollten daraus etwas Gutes ziehen: Wir tragen Verantwortung für uns und das Leben nach unserem physischen Tod. Es lohnt sich, für das Wahre und Gute einzustehen, obgleich wir hierfür im Diesseits oft einen unbequemen Weg gehen müssen.

Definition: Dualismus

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Photo by Yarenci Hdz on Unsplash

Publiziert am
Jul 21, 2022
 in Kategorie:
Wiedergeburt

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