D

er Mensch erachtet sich als Krone der Schöpfung, was er seinem Gehirn zuschreibt. In der Tat ist er diesbezüglich den Tieren überlegen. Ganz anders sieht es jedoch beim Körper aus. Zahllose Tierarten sind diesbezüglich dem Menschen um Längen voraus. Wer möchte schon mit einem Geparden um die Wette laufen? Kein Mensch kann länger als ein Pottwal unter Wasser die Luft anhalten oder die Ohren auf so unterschiedliche Weise bewegen wie eine Katze. All diese Beispiele körperlicher Überlegenheit bei Tieren sind hinlänglich bekannt. Aber wer hätte geahnt, dass einige Tierarten nahezu ewig leben oder zumindest Teile ihres Körpers für ein längeres Leben regenerieren können! Sie sind zwar nicht unsterblich, aber kommen sehr nah an diesen Zustand heran. Faszinierend!

Fangen wir mit den großen Tieren der arktischen Ozeane, die 200 bis 10.000 Jahre alt werden

Grönlandwale

Der Grönlandwal lebt in arktischen Meeren und hat von allen Säugetieren die höchste Lebenserwartung. Er kann über 200 Jahre alt werden und wird bis zu 18 Meter lang. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt allerdings nur vierzig Jahre. Anhand alter Harpunenspitzen im Körper erlegter Wale konnte man feststellen, dass Grönlandwale allerdings weit älter als 100 Jahre werden können.

Mittels molekularbiologischer Untersuchungen wurde das Alter eines Individuums auf 211 Jahre bestimmt.

Dieser Wal hat einen besonders langsamen Stoffwechsel und verfügt außerdem über spezielle Gene, die Erbgutschäden reparieren und ist daher immun gegen Krebs.

Riesenschwämme

Der Riesenschwamm ist ein tierischer Organismus der auf dem Grund des arktischen Ozeans wächst und sage und schreibe 10.000 Jahre alt wird. Ausgewachsene Schwämme können einen Durchmesser von einem Meter und eine Höhe von zwei Metern erreichen. Ihr kegelförmiges Aussehen hat ihnen im Englischen den Namen volcano sponge (Vulkanschwamm) eingebracht. 1996 errechneten Forscher der Polarstern-Expedition aufgrund der Messung des Sauerstoffverbrauches das Alter dieser Tiere auf 10.000 Jahre, nachdem ein US-amerikanische Wissenschaftler innerhalb von zehn Jahren kaum ein Wachstum festgestellt hatte.

Und machen weiter mit außerordentlichen Überlebenskünstlern

Aldabra-Riesenschildkröten

Die meisten dieser riesigen Landschildkröten leben auf der Hauptinsel des Aldabra-Atolls als Teil der Seychellen im Indischen Ozean und können deutlich über 100 Jahre alt werden. Ein männliches Exemplar namens "Adwaita" (Sanskrit für "der Unvergleichliche"), dass in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Zoo von Kalkutta geboren wurde, erreichte sogar 256 Jahre. Das Tier verstarb 2006 schließlich an einem Riss im Panzer. Es gibt noch weitere ähnlich alte Aldabra-Riesenschldkröten, die immer noch leben. Eine davon ist Jonathan und die andere Esmeralda. Männliche Aldabra-Riesenschildkröten können ein Gewicht von bis zu 250 kg erreichen während Weibchen bis zu 167 kg wiegen. 

Der unscheinbare Axolotl und seine fast magische Regnerationsknopse

In Mexiko lebt der unscheinbare Schwanzlurch Axolotl. Sein Name stammt noch von den Azteken und meint Wassermonstrum. Mit seinen maximal 23 cm ist er jedoch wenig angsteinflößend. Stattdessen ist er viel mehr faszinierend.

Der flinke und vom Aussterben bedrohte Geselle kann nämlich Organe, Gliedmaßen, Herz und Teile des Gehirns komplett wiederherstellen.

Danach sind sie so funktionstüchtig wie vorher. Angestellte des Bioregeneration Center der Medizinischen Hochschule Hannover fanden heraus, dass sich nach der Verletzung ein Wundepithel bildet. Es bewirkt, dass das sich darunter befindende Gewebe heilt. So bilden sich schon nach wenigen Tagen verlorene Körperteile aus einer sogenannten Regenerationsknopse heraus.

Der alterslose Hydra

Der nur rund einen Zentimeter große Süßwasserpolyp könnte ewig leben, denn er altert nicht. Warum? Er hat keinen Sex, um sich fortzupflanzen. Er teilt sich fortwährend selbst. Für eine erfolgreiche Vermehrung ist eine andauernde Erneuerung der Stammzellen notwendig. Mit dem Alter verlieren Menschen mehr und mehr diese Fähigkeit. Die Haut ist nicht mehr so elastisch und die Organe sowie das Immunsystem werden schwach. Verantwortlich für diesen Prozess ist das FoxO-Gen, welches für die Stammzellen maßgebend ist. Bei dem Hydra wird dieses Gen nicht älter und bleibt somit aktiv. Beim Menschen ist dies in der Regel anders. Es gibt aber auch Ausnahmen. Untersuchungen an über 100-Jährigen offenbarten, dass bei ihnen teilweise das FoxO-Gen noch aktiv ist.

Der Nacktmull kennt keinen Krebs

Für nahezu jeden vierten Todesfall in Deutschland ist Krebs verantwortlich. Das ist eine sehr hohe Zahl, weswegen die Krebsforschung auf Hochtouren läuft. Im Rahmen dessen interessieren sich die Wissenschaftler für den 15 cm kleinen Nacktmull. Es ist mit seiner kahlen Haut und den dominanten Schaufelzähnen vielleicht nicht der schönste Vertreter des Tierreichs.

Dafür ist der schrumpelige Nager ein besonderes Wunder: Er empfindet so gut wie keinen Schmerz und ist immun gegenüber Krebs.

Der Grund dafür liegt an der hohen Menge Hyaluronsäure im Organismus des Tieres. Dieser Wirkstoff, den wir Menschen auch in uns tragen und der besonders auf dem Anti-Aging-Sektor beliebt ist, kann einen wichtigen Schutzmechanismus regulieren. Er erlaubt eine „frühe Kontaktvermeidung“ der Zellen. Anders ausgedrückt: Wenn Zellen zu dicht beieinander sind, teilen sie sich nicht mehr. Auf diese Weise besteht ein Schutz gegen unkontrollierte Zellwucherungen wie beim Krebs. Beim Nacktmull greift diese Kontaktvermeidung schon sehr früh. Eine Zelle muss andere nur streifen und schon wird der Schutzmechanismus aktiviert. Sollte eine Zelle künstlich dazu gebracht werden, sich fortwährend zu teilen, wird ein Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst.

Der Eistod des kanadischen Waldfroschs

Damit Geist, Seele und Körper unsterblich sind, lassen sich manche Menschen schon jetzt für viel Geld einfrieren. Sie glauben daran, irgendwann in der Zukunft geweckt zu werden und dann in einem neuen Jahrtausend zu leben. Ob das gelingt, ist wohl mehr als unsicher, aber darüber lässt sich streiten. Was jedoch stimmt, ist das Weiterleben des Waldfrosches Rana sylvativa nach seinem Eistod.

Das klingt nach einem Science-Fiction-Roman, ist aber die Wahrheit. Im Unterschied zum Menschen besitzt er die Fähigkeit, einzufrieren, ohne zu erfrieren.

Wissenschaftler einer kanadischen Universität entdeckten, dass das Tier wartet, bis sich die ersten Eiskristalle im Herbst in seinem unterkühlten Körper bilden. Über die Leber reichert der Frosch dann sein Blut mit einer Art Frostschutzmittel an. Auf diese Weise erhöht sich die Zuckerkonzentration im Blut um das 60fache, weshalb in den Körperzellen selbst kein Eis entstehen kann und die Zellmembranen daher auch nicht reißen können. Der Zucker nimmt dem Körpergewebe Wasser, welches außerhalb der Zellen gefriert. Dann erstarrt die Amphibie zu Eis. Das Herz schlägt nicht mehr und die Atmung hört auf. Nahezu 50 % des im Waldfrosch enthaltenen Wassers ist jetzt gefroren. Bei Temperaturen von bis zu minus 10 °C kann dies der Frosch für ein paar Wochen ertragen. Sobald er aufgetaut ist, regeneriert er sich sofort. Nach nur einer Stunde erfolgt der erste Herzschlag. Somit hat diese Froschart mehrere Leben nach dem Tod.

Gibt das Tierreich Impulse für die Unsterblichkeit?

Die Wissenschaft schaut sich vieles bei den Tieren ab – im Bereich Technik und Gesundheit. Doch natürlich lässt sich nicht alles 1:1 auf den Menschen übertragen. Darüber hinaus poppt die berechtigte Frage auf, zu welchem Preis ein Arbeiten an der Unsterblichkeit überhaupt ratsam und zu rechtfertigen ist. Was passiert mit der Seele, wenn ein erfolgreiches Einfrieren und späteres Auftauen möglich ist? Wie muss sich die Welt mit all ihren Strukturen ändern, wenn mehr Menschen plötzlich eine deutlich erhöhte Lebenserwartung haben? Und wer bestimmt, wer welche medizinischen Verbesserungen erhält? Wir bewegen uns hier auf nicht ungefährlichem Terrain.

Weitere Artikel:

_________

Photo by Bruno Kelzer on Unsplash

Publiziert am
May 6, 2022
 in Kategorie:
Ewiges Leben

Mehr zur Kategorie: 

Ewiges Leben

ALLE ANSEHEN

Nehme an unserem regelmäßigen Newsletter teil und lies als erstes die neuen Beiträge:

Vielen Dank! Wir haben Deine Anmeldung erhalten.
Hoppla! Beim Absenden des Formulars ist ein Fehler aufgetreten.